Marokko vergibt riesige Flächen in der besetzten Westsahara
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Aus Ende Oktober veröffentlichten Unterlagen des marokkanischen Staatshaushalts geht hervor, dass das Königreich Zehntausende Hektar Land in der besetzten Westsahara für Investitionsprojekte vergeben hat.

02. November 2026

Photo: Elli Lorz.

Kürzlich von der marokkanischen Regierung veröffentlichte Daten offenbaren das alarmierende Ausmaß der Vergabe von öffentlichem Land in der besetzten Westsahara.

Die Zahlen sind in aufeinanderfolgenden Ausgaben des „Rapport sur le Foncier Public Mobilisé pour l’Investissement“ („Bericht über für Investitionen mobilisiertes öffentliches Land“) enthalten, der den marokkanischen Haushaltsgesetzen für 2026 und 2027 beigefügt ist und vom marokkanischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen veröffentlicht wurde. Der Bericht für 2026 ist hier zu finden, der Bericht für 2027 hier.

Die Berichte legen offen, wie der marokkanische Verwaltungsapparat das Land der Sahrauis für Investitionsprojekte aufteilt, damit seine illegale Präsenz festigt und in- und ausländische Unternehmen anlockt. Marokko behandelt Dakhla-Oued Eddahab und Laâyoune-Sakia El Hamra – zwei von Marokko in der Westsahara abgegrenzte Verwaltungsregionen – als eigenes Staatsgebiet. Dabei nutzt er sein Register für staatliches Privatvermögen (Domaine Privé de l’État), um ausgedehnte Landflächen für die kommerzielle Nutzung zu vergeben.

Die konsolidierten Daten für die Jahre 2024, 2025 und das erste Halbjahr 2026 offenbaren eine branchenübergreifende Ausbeutungsstrategie, die sich über Mega-Konzessionen, Projekte im Bereich erneuerbarer Energien, Bergbau und agroindustrielle Entwicklung erstreckt.

In den Haushaltsdokumenten wird nicht darauf eingegangen, warum Marokko glaubt, die Kontrolle über die Landflächen zu haben, die es nun für die Industrie vergibt. Die Sahrauis, denen das Land in diesem Gebiet gehört, erhalten in der Regel keine Entschädigung und haben zu viel Angst, sich zu äußern. Die Westsahara zählt weltweit zu den Ländern und Gebieten mit den geringsten politischen Freiheiten.


Massive geographische Ungleichheit zwischen Westsahara und Marokko

Die Zahlen offenbaren eine auffällige geografische Konzentration im marokkanischen System der öffentlichen Landzuteilung, wobei die Westsahara – über die Marokko weder ein internationales Mandat noch Souveränität besitzt – den überwiegenden Großteil der mobilisierten Flächen ausmacht.
 

  • Im Jahr 2024 befanden sich 95,7 % aller öffentlichen Flächen, die im gesamten marokkanischen Verwaltungsrahmen für Investitionen mobilisiert wurden, in der Westsahara. Von den insgesamt gemeldeten 48.914 Hektar wurden 46.811 Hektar im besetzten Gebiet zugewiesen, sodass für Marokko selbst nur ein winziger Anteil von 4,3 % der verteilten Landfläche übrig blieb. 46.811 Hektar entsprechen einer Fläche von etwa 65.500 Standard-Fußballfeldern – oder ungefähr anderthalb mal der Fläche Münchens.
  • Im Jahr 2025 sank die von der marokkanischen Regierung mobilisierte Gesamtfläche auf 31.977 Hektar. Dennoch machten die beiden administrativen „Regionen“, die Marokko der Westsahara aufgezwungen hat, weiterhin einen erheblichen Anteil der Gesamtfläche aus und repräsentierten zusammen 50,4 % der im Rahmen des marokkanischen Verwaltungssystems mobilisierten Landfläche.
  • In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden 94,95 % aller mobilisierten Flächen – 22.193 Hektar von insgesamt 23.374 Hektar – in der besetzten Westsahara zugewiesen.

 

Diese Zahlen werfen grundlegende Fragen hinsichtlich des Zwecks und der geografischen Prioritäten der marokkanischen Politik zur Zuweisung öffentlicher Flächen auf, insbesondere angesichts des besonderen völkerrechtlichen Status der Westsahara. Die Bezugnahmen auf die marokkanischen „Regionen“ im Folgenden folgen der marokkanischen Terminologie, wie sie in den Regierungsberichten verwendet wird.


Laâyoune-Sakia El Hamra: Ausbau erneuerbarer Energien und Bergbau

Im nördlichen Teil der besetzten Westsahara machen groß angelegte Infrastrukturprojekte – insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien – einen erheblichen Anteil der für Investitionen mobilisierten Flächen aus. Die Region entwickelt sich zudem zu einem wichtigen Ziel für die Zuteilung von Flächen im Bergbau.

  • Marokko stellte in Laâyoune-Sakia El Hamra 16.869 Hektar für 72 Investitionsprojekte bereit, wobei sich die prognostizierten Investitionen auf insgesamt etwa 6,07 Milliarden Dirham beliefen. Erneuerbare Energien dominierten die Zuteilungszahlen. Der Bericht verzeichnet insgesamt 15.664 Hektar, die für sechs Energieprojekte bereitgestellt wurden, wobei sich etwa 96 % davon auf Laâyoune-Sakia El Hamra konzentrierten. Ein vom Ministerium hervorgehobenes Projekt war ein Windpark in Boujdour mit einem Wert von etwa 4,5 Milliarden Dirham. Auf die Region entfielen zudem 86 % der gesamten agroindustriellen Projekten zugewiesenen Fläche von 1.574 Hektar für Marokko und Westsahara zusammen.
  • Der Landraub setzte sich auch im Jahr 2025 unerbittlich fort und machte 47,2 % der gesamten im Rahmen des marokkanischen Regimes mobilisierten Fläche aus. Energieprojekte dominierten das Zuteilungsprofil und machten 96,54 % der in der Region zugewiesenen Flächen sowie 96,03 % der prognostizierten Investitionen aus. Zu den Großprojekten gehörten ein für Laâyoune geplanter Windpark im Wert von 2.500 Millionen Dirham (MDH) sowie zwei Windparkanlagen in Boujdour mit einem angegebenen Gesamtwert von 4.350 MDH.
  • In der ersten Hälfte des Jahres 2026 entwickelte sich der Bergbau zu einem weiteren Schwerpunkt der Landzuteilung. Dem Bericht zufolge entfielen 99,63 % der gesamten für Bergbauprojekte in Marokko und der Westsahara zusammen zugeteilten Fläche auf Laâyoune-Sakia El Hamra. Von den insgesamt fünf erfassten Bergbauprojekten befanden sich drei in diesem Teil des besetzten Gebiets.



Dakhla-Oued Eddahab: Mega-Konzessionen, Bergbau und agroindustrielle Expansion

Weiter südlich, in Dakhla-Oued Eddahab, konzentrierte sich die Landzuteilung auf großflächige Konzessionen und Projekte in den Bereichen grüner Wasserstoff, Bergbau, Tourismus und Landwirtschaft. Die Zahlen deuten auf erhebliche Veränderungen in den Sektoren hin, denen im Laufe der drei Berichtszeiträume Land zugewiesen wurde.

  • 2024: Obwohl das Ministerium Projekte aus den Bereichen Dienstleistungen, Tourismus und Landwirtschaft auflistete, weisen die zugrunde liegenden Zahlen auf eine außergewöhnliche Konzentration von Land in zwei großen integrierten Konzessionen hin. Zusammen machten diese 98,81 % der 29.580 Hektar aus, die in der Region für Investitionen mobilisiert wurden. Die Konzessionen schufen erhebliche Flächenreserven für den geplanten Aufbau einer Industrie für grünen Wasserstoff. Das Ausmaß dieser Zuteilungen spiegelte sich auch in den Übertragungsmechanismen wider: 63 % der Flächen wurden Berichten zufolge durch Veräußerung (Eigentumsübertragung) und nicht durch Verpachtung (Pacht) zugeteilt.
  • Im Jahr 2025 belegte Dakhla-Oued Eddahab im landesweiten Register den ersten Platz hinsichtlich der Anzahl genehmigter Projekte und machte 28,25 % aller Genehmigungen aus. Der Bergbau dominierte die zugewiesene Fläche der Region und machte 73,11 % der Gesamtfläche aus. Der Dienstleistungssektor machte unterdessen 44,83 % der einzelnen Projektanträge aus, gefolgt von Tourismusprojekten mit 17,24 %.
  • Im ersten Halbjahr 2026 verlagerte sich das Zuteilungsprofil in Richtung agroindustrieller Entwicklung. Von den 354 Hektar, die in den ersten sechs Monaten des Jahres für Investitionen mobilisiert wurden, entfielen mehr als 88 % auf den agroindustriellen Sektor. Dies deutet auf eine verstärkte Ausrichtung auf die kommerzielle Landwirtschaft hin, einschließlich Gewächshausproduktion und Lebensmittelverarbeitung, die auf internationale Märkte ausgerichtet sind.


Völkerrecht und Unternehmenshaftung

Die eigenen Finanzunterlagen des marokkanischen Staates zeigen das erschütternde Ausmaß der Vorgänge: Zehntausende Hektar werden auf gestohlenem Hoheitsgebiet an Unternehmen verteilt. Diese seit Jahren verfolgte Politik verstößt direkt gegen das Völkerrecht.

Diese Zuteilungen müssen vor dem Hintergrund des besonderen rechtlichen Status der Westsahara betrachtet werden. In seinem Gutachten von 1975 stellte der Internationale Gerichtshof fest, dass die von ihm untersuchten historischen Verbindungen keine territoriale Souveränität über die Westsahara begründeten, die das Selbstbestimmungsrecht des sahrauischen Volkes außer Kraft setzen würde.

Darüber hinaus bekräftigte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in seinen historischen Urteilen vom Oktober 2024, dass die Westsahara im Sinne des EU-Rechts von Marokko gesondert und unterschiedlich ist, und unterstrich die Notwendigkeit der Zustimmung des Volkes der Westsahara in Bezug auf Abkommen, die das Gebiet betreffen.

Diese rechtlichen Feststellungen haben erhebliche Auswirkungen auf internationale Unternehmen und Investoren, die Investitionen in den besetzten Gebieten in Erwägung ziehen. Unternehmen, die an Grundstücksübertragungen, Pachtverträgen oder Projekten zur Rohstoffgewinnung beteiligt sind, müssen prüfen, ob ihre Aktivitäten mit dem Völkerrecht im Einklang stehen und das Selbstbestimmungsrecht des sahrauischen Volkes achten.

  

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